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Persönlichkeits-Entwicklung: Optimierungsschmiede oder gestalttherapeutische Selbstakzeptanz?

Persönlichkeitsentwicklung ist ein Allzeitthema. Persönlichkeitsentwicklung gehört zur beruflichen Entwicklung zum guten Ton - zumindest als Führungskraft.

Das Streben nach Selbstoptimierung, Selbstverwirklichung, Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit, Selbstturboisierung, Selbstliebe, Selbst-mal-ganz-entspannt sein wird viel diskutiert und stark vermarktet.

Was hat es mit diesem vielbelobhudelten Präfix „selbst“ auf sich? Was ist eigentlich das Selbst? Und kann man das eben mal optimieren?


Persönlichkeits-Entwicklung: Optimierungsschmiede oder gestalttherapeutische Selbstakzeptanz?

Das Selbst, die Wahrnehmung und die Akzeptanz  - ich bin okay.


In der Gestalttherapie gibt es das „Konzept des Selbst“es. Es beschreibt das individuelle Erleben und die Wahrnehmung einer Person von sich selbst. Es umfasst nicht nur die bewussten Aspekte der Persönlichkeit, sondern auch das Potenzial zur persönlichen Entfaltung.

Das Spannende in der Gestalttherapie ist die Auffassung, dass diese Entfaltung oder auch Veränderung genau dann passiert, wenn wir quasi nichts anderes tun, als uns selbst wahrzunehmen und zu akzeptieren was wir wahrnehmen.


Wie? „Einfach nur“ akzeptieren was ist?  Aha. Das heißt, es geht gar nicht um das Streben nach dem besseren Selbst? Um das leistungsorientierte Vergrößern der Selbstliebe? Um das Ackern für Selbstwirksamkeit? Um das Durchpeitschen durch die Selbstoptimierung?


„Gibt es nicht ein Tool dafür, damit ich besser an die Situation anpassen kann?“ ist eine Frage, die ich öfter zu Beginn einer Therapie höre, gerade von jungen Menschen.


Ja und Nein. Ja, es gibt so eine Art „Tool“ - nein, es ist nicht das, was sich die Person in diesem Moment vorstellt.

Das „Tool“ heißt Akzeptanz und sieht ungefähr so aus:

Ich bin gerade (schon wieder!) über meine eigenen Grenzen gelatscht? Aha. Okay. Ich nehme wahr, dass ich das gerade getan habe.

Ich habe es mal wieder nicht geschafft um 6 Uhr in die Laufschuhe zu springen? Hey, das ist okay. Ich nehme wahr, dass es mir in diesem Moment nicht möglich war.


Ja, und jetzt? Jetzt keinesfalls abbiegen in die Selbstverurteilung (gerne genommen) oder in die Verdrängung (auch gerne genommen) oder in die Rechtfertigung (Genau: die anderen sind Schuld!).


In der Gestalttherapie bleibt der Fokus auf das gegenwärtige Erleben (auf das Hier und Jetzt) gerichtet. Mit verschiedenen, oft kreativen Techniken (Rollenspiele, körperorientierte Übungen, der Arbeit mit Seilen, Figuren, etc) kommt das ans Licht, was wir fühlen und die Bedürfnisse, die dahinter liegen. Wie geht es mir damit? Und was bedeutet es für mich?


Das paradoxe Prinzip der Veränderung (Arnold R. Beisser)


Wir erfahren etwas über einen Teil unseres Selbstes und in dem wir „ja“ zu diesem Teil sagen, akzeptieren und integrieren wir ihn. Willkommen Anteil. Willkommen, dass ich über meine Grenzen gegangen bin.

Klingt komisch? Klingt paradox? Exakt. Dafür steht „The paradoxial Theory of Change“ - einer meiner Lieblingstheorien: In dem wir uns einlassen auf das, was und wer wir zu einem gegenwärtigen Moment sind, kann Veränderung statt finden.

Wir müssen es nicht erzwingen. Wir müssen nicht hart optimieren. Wir müssen nicht in die Persönlichkeits-Schmiede. Der Moment der Selbstakzeptanz ist ein ganz mächtiger und sehr entlastender.

Und jetzt noch eine kleine inhaltliche Schleife, die auch den Unterschied zwischen Coaching und Therapie verdeutlichen kann:

Solltest du dich gerade fragen: Aha. Und wo ist bitte genau ist jetzt der Unterschied zur Resignation? Der Unterschied liegt in der Haltung: in der Akzeptanz zweifle ich nicht daran, dass sich etwas verändern kann und dass es ggfs. eine andere Strategie braucht. In der Resignation habe ich mich und alle Lösungsversuche aufgeben.

In der Therapie kommt auf das oft as resignierte Selbst zum Tragen und es braucht das therapeutische Gegenüber, um in die Orientierung und Zuversicht zu kommen. Im Coaching ist eher der Blick auf die Akzeptanz und die entsprechende Strategie verstellt.


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